Grundsätzliches

… aller Anfang ist schwer!

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Um mit Silikon abformen zu können, möchte ich zunächst feststellen, dass ein abzuformendes Urmodell es auch Wert sein sollte, abgeformt zu werden.
Eine Silikonform kann, je nach Größe, mehrere 100 Euro kosten.

Da alle Fehler im Urmodell immer „mitabgeformt“ werden, sollte man dem Urmodell besondere Aufmerksamkeit widmen.

Bei der Auswahl der Materialien würde ich immer das Internet befragen. Hier gibt es zahlreiche Shops, die Silikon in allen möglichen Varianten anbieten. Hier gilt es das richtige Silikon für die erforderliche Anwendung zu finden. Ich verarbeite grundsätzlich nur additionsvernetzendes Silikon bei der beide Komponenten meistens 1:1 gemischt werden. Es bieten sich nahezu unendlich viele Möglichkeiten an, Silikonformen von Modellen herstellen zu können. Ich werde hier nicht alle erläutern können, bemühe mich aber, die wichtigsten Grundschritte zu erklären.

Die einfachste Variante ist die Herstellung einer einteiligen Form. Grundsätzlich gilt, je kleiner eine Form ist, desto dünner darf diese auch sein. Je größer eine Form wird desto schwieriger wird später das Ausformen!
Es ist zu beachten, dass ein additionsvernetzendes Silikon fließfähig ist und in jede Ritze und jede Fuge läuft. Es muss bei einer einteiligen Form unbedingt beachtet werden, dass die Hinterschneidungen nicht zu groß sind, da sich das ausgehärtete Modell nicht mehr entformen lässt.

Erforderlich ist zumindest das Silikon, eine Waage (mind. Gramm Einteilung), Rührbecher, Spatel und Trennspray (PTFE Spray), ein Urmodell und ein Gießrahmen.

Einteilige Form

Einfaches Urmodell

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Herstellung eines Gießrahmens:
Hier suche ich immer nach eher praktischen Lösungen die häufig unterschiedlich ausfallen.
Ein Gießrahmen kann aus Holzresten, Legosteinen oder wie im Beispiel aus Polystyrolresten / Platten gebaut werden. Während die Legostein einfach in passender Größe zusammengesteckt werden, klebe ich aus den Holz / Polystyrolstreifen in der Regel den Rahmen mit Heißkleber zusammen. Die Heißklebepistole lasse ich in der Regel eingeschaltet. Sollte der Rahmenaufbau undicht sein, ist Heißkleber die einzige Möglichkeit schnell abzudichten. Wichtig ist, dass ein umlaufender Rand von mindestens 1cm entsteht. Der Rahmen sollte auch hoch genug sein, damit über dem Modell mindesten 1 cm Silikon Platz hat. Die Fläche auf der das Urmodell aufgeklebt wird, sollte sauber und frei von Unebenheiten sein. Hier ergeben sich erste Probleme bei den Legosteinen… man möchte ja eher selten die Erhebungen auf den Platten abformen. Abhilfe schafft Modellierknete die keine Vernetzungsstörungen im Silikon auslöst (ggfs. sollten Vorversuche durchgeführt werden). Vernetzungsstörungen erkennt man an nicht ausgehärtetem Silikon.
Urmodell vorbereiten:
Mittig im Gießrahmen wird das Urmodell platziert. Das Modell sollte mit der nicht abzuformenden Seite in dem Rahmen aufgeklebt werden. Das kann gut mit doppelseitigem Klebeband / Heißkleber o.ä. Kleber erledigt werden.
Um später die Silikonform und das Urmodell ablösen zu können, kann man Trennspray benutzen. Auch hier kann es zu den oben beschriebenen Vernetzungsstörungen kommen (Vorversuche!). Das Trennspray wird in mehreren Lagen mit Ablüftzeit aufgebracht.
Das Silikon wird nach Herstellerangaben gemischt. Dabei sollten möglichst wenig Luftbläschen untergerührt werde. Die Mischzeit sollte 1 Minute nicht unterschreiten. Die Masse sollte dann gleichmäßig und schlierenfrei aussehen. Dann lässt man die Masse langsam über die Urform laufen, eventuelle Luftbläschen sollten jetzt entweichen. Die nicht volle Form ggf. ein wenig kippen und neigen, dann komplett auffüllen. Vor dem Aushärten sollte zumindest der Werkstatttisch auf korrekte Ausrichtung kontrolliert werden, sonst läuft das zunächst dünnflüssige Silikon in eine Ecke.
Nach dem Aushärten wird zunächst der Rahmen gelöst und danach die Form von der Vorlage abgezogen. Sofern keine Silikonmasse unter die Form gelaufen ist löst sich die Silikonmasse problemlos. Im Nachgang können jetzt noch die Formränder versäubert werden. Hierzu eine frische Klinge ansetzen und gleichmäßig mit sanftem Druck die Ränder abtrennen oder auch mit einer Schere nacharbeiten. Die Form ist sofort einsetzbar.

Mehrteilige Form

Hinterschneidungen meistern

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Für Fortgeschrittene folgt jetzt noch das Prinzip zur Abformung von 3 dimensionalen Objekten mit Hinterschneidungen oder Objekte die zwingend von 2 Seiten abgeformt werden müssen. Diese Objekte benötigen mindestens eine zweiteilige Form. Die Ausrüstung wie unten dargestellt sollte man sich vor Arbeitsbeginn griffbereit zusammenstellen. Trennmittel für Silikon/Silikon gibt es in verschiedenen Varianten z.B. als Spray oder als Lösung zum Aufpinseln, Vaseline mit Spiritus auf eine streichfähige Konsistenz verdünnt kann aber auch als Trennmittel eingesetzt werden. Das Trennmittel dient dazu auf eine bereits ausgehärtete Silikonmasse eine weitere Schicht zu gießen, die aber wieder entfernbar ist. Daher auf keinen Fall mit Formentrennspray verwechseln welches oft silikonhaltig ist und daher mit absoluter Sicherheit Silikon nicht von Silikon trennt!
Grundsätzlich kann man sagen, dass ein beidseitig abzuformendes Urmodell ähnlich behandelt wird wie die einteilige Form. Hier wird lediglich die unterste Ebene in die Mitte des Urmodells verlegt. Das kann man am einfachsten mit der o. beschriebenen Modellierknete erledigen. Hier muss an den Rändern des Urmodells perfekt gearbeitet werde. Es gilt: desto sauberer gearbeitet wird, desto besser wird das Ergebnis.

In die Knetmasse werden sogenannte Schlösser eingebracht. Diese können aus Vertiefungen bestehen die einfach in die Masse gedrückt werden, oder aus Erhöhungen, wie z. B. Schlossmuttern.

Diese Schlösser dienen zur Ausrichtung der beiden Formenhälften zueinander.

Tips und Tricks

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Um effektiv im Modellbau arbeiten zu können, setzte ich modernste Maschinen und Techniken ein.
Neben einigen 3D Druckern die mit Filiament drucken, kommte auch ein sla Drucker zum Einsatz.
Große Modelle werden auf einer CNC Fräse hergestellt.
Um die Urmodelle anschließend kostengünstig vervielfältigen zu können, werden anschließend belastbare Silikonformen hergestellt. Die in diesen Formen hergestellten Abgüsse sind viel einfacher zu bearbeiten als günstige 3d Drucke.
Sie benötigen für ihr Modell eine Form? Schreiben sie mich an, ich helfe bei der Erstellung.

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Baumarktsilikon

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Unter diesem Punkt möchte ich kurz auf zwei Möglichkeiten eingehen, wie man aus „Baumarktsilikon“ günstiges „Abformmaterial“ herstellen kann.
Ich nutze diese Verfahren um möglichst günstig Objekte abformen zu können.

Einige Dinge sollte man grundsätzlich berücksichtigen.

Geeignetes Baumarktsilikon sollte ohne Farbe, also „transparent“ sein. Der Inhalt muss ohne „Pilzhemmer“ sein, also wirklich ganz billig. Die Tube kostet in der Regel 1,99 Euro und der Inhalt riecht stark nach Essig.

Neben der Ausdrückpistole braucht man je nach Methode noch Spülmittel, Wasser, einen Eimer, Farbe, Spatel, Flachpinsel (ca. 30mm) und für Methode 2: Speisestärke

Methode 1:

Diese eignet sich besonders um günstige, große Formen herzustellen.
Man füllt den 10 Liter Eimer mit 5 bis 7 Liter Wasser und gibt ausreichend Spülmittel hinzu. Es sollte so viel Spülmittel zugesetzt werden, dass unser Baumarktsilikon nicht mehr an den Händen klebt, wenn es in den Eimer als Schlange gedrückt wurde.

Das Modell streicht man vorher mit Spülmittel ein, damit das Silikon nicht an dem Modell haftet und sich nach dem abbinden lösen lässt.

Die Silikonschlange kann man nun mit feuchten Händen aus dem Eimer nehmen und zu einer Kugel formen. Da die Außenhaut des Silikons mit dem Spülmittel / Wassergemisch benetzt ist, bleibt es nicht an den Händen kleben. Mit diesem Silikon streicht man das Urmodell ein, bis man eine ca. 1cm dicke Schicht auf den abzuformenden Teilen hat. Der Trocknungsprozess kann schon mal einen Tag dauern. Das Modell wird vorsichtig entformt und die Form kann verwendet werden.

Zu beachten ist, dass diese Art der Abformung sicher zu Schrumpfung führt.

Die Formen sind so stabil, dass man, je nach Größe auch Beton eingießen kann. Als Trennmittel bei diesen groben Formen kann man Speiseöl oder Vaseline verwenden.

Die Ergebnisse faszinieren mich immer wieder!

Methode 2:

Hierbei nimmt man einen Teil Silikon und vermengt diesen mit einem Teil Speisestärke. Das Anrühren scheint erst zäh zu verlaufen, aber nach einiger Zeit erhält man einen nicht mehr klebrigen, aber gut formbaren Klumpen Silikon. Eventuell gibt man mehr Speisestärke hinzu, bis der gewünschte Effekt erzielt ist.
Aus dieser Masse kann man kleine Dinge abformen, Knickschutztüllen für Kabel kneten, einfach einen Schlüssel markieren, kleine rutschfeste Füße modellieren, eine Schutzhülle formen und und und…
Da setzt nur die Phantasie Grenzen.

Beide Methoden kann man ohne großen finanziellen Aufwand üben und erlernen. Vorversuche um Vernetzungsstörungen durch Farben / Spülmittel auszuschließen, sind immer Pflicht.

Materialkunde

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